Flüssiges Gold oder verstecktes Risiko? Eine Neubewertung der Sicherheit von Kaffeeöl
In einer Welt, die sich zunehmend auf Nachhaltigkeit und Lebensmittelinnovationen einstellt, ist Kaffeeöl – aus den Bohnen gepresst oder aus dem Kaffeesatz gewonnen – allmählich aus dem Verborgenen aufgetaucht.
In einer Welt, die sich zunehmend auf Nachhaltigkeit und Lebensmittelinnovationen einstellt, ist Kaffeeöl – aus den Bohnen gepresst oder aus dem Kaffeesatz gewonnen – allmählich aus dem Verborgenen aufgetaucht. Dieses goldbraune Elixier ist seidig, aromatisch und reich an bioaktiven Stoffen und enthält nicht nur die Essenz des gerösteten Kaffees, sondern auch eine Fülle von funktionellen Eigenschaften. Doch hinter seinem Reiz verbirgt sich eine chemische Komplexität, die eine genaue Untersuchung erfordert.
Zu seinen faszinierendsten Inhaltsstoffen gehören die Diterpene Cafestol und Kahweol – natürliche Abwehrstoffe der Coffea-Pflanze, die Wissenschaftler seit Jahrzehnten faszinieren. Diese fettlöslichen Moleküle, die einst als bloße Geschmacksträger übersehen wurden, sind zu Schwerpunkten des toxikologischen Interesses geworden. Mit Wirkungen, die von der Modulation des Cholesterinspiegels bis hin zu potenziellen chemoprotektiven Eigenschaften reichen, lassen sie sich nicht so einfach klassifizieren. Sind sie Freund oder Feind?
Unsere neue Übersichtsarbeit in Molecules MDPI präsentiert eine gründliche Neubewertung der Sicherheit von Kaffeeöl als neuartiges Lebensmittel im Rahmen der EU-Verordnung. Während Kaffeeöl selbst für den Menschen nicht neu ist - es ist seit Jahrhunderten in unseren Tassen enthalten - wirft seine isolierte Verwendung in konzentrierter Form, sei es aus grünen Bohnen oder aus industriellen Abfallströmen, berechtigte Fragen auf. Wie viel ist zu viel? Was passiert, wenn es außerhalb des puffernden Kontextes von gebrühtem Kaffee konsumiert wird?
Auf der Grundlage von klinischen Humandaten aus zwei Jahrzehnten haben wir die bekannten Auswirkungen von Cafestol und Kahweol auf Serumlipide, Leberenzyme und verwandte Biomarker zusammengefasst. Unsere Schlussfolgerung? Eine mäßige Exposition durch traditionellen Kaffeekonsum - auch ungefiltert - stellt für gesunde Erwachsene nur ein geringes Risiko dar. Anders verhält es sich jedoch bei konzentrierten Kaffeeölergänzungen oder Lebensmittelanwendungen. In diesen Fällen können sich die Cholesterin- und Leberfunktionsparameter im Blut erheblich verändern, insbesondere bei empfindlichen Bevölkerungsgruppen.
Der geschätzte LOAEL-Wert (Lowest Observed Adverse Effect Level) wurde auf 40 mg/Tag Diterpene festgelegt, während der NOAEL-Wert (No Observed Adverse Effect Level) bei 9 mg/Tag lag. Daraus haben wir einen Vorschlag für die zulässige tägliche Aufnahmemenge (ADI) von nur 0,9 mg/Tag abgeleitet - das Äquivalent von etwa 225 mg Kaffeeöl, wobei ein Diterpengehalt von 0,4 % angenommen wurde. Diese Grenzwerte sind wichtig: Sie dienen als Richtschnur für regulatorische Entscheidungen, Produktformulierungen und die Sicherheit der Verbraucher.
Doch das Bild ist nicht nur warnend. Diterpene wie Cafestol haben in präklinischen Studien entzündungshemmende, hepatoprotektive und antikarzinogene Wirkungen gezeigt. Sie wirken als Enzymmodulatoren, schützen die DNA vor Mutagenen und unterstützen sogar die Entgiftungsprozesse des Körpers. Diese Dualität macht sie zum Sinnbild für den Kaffee selbst - eine Substanz, die die Grenze zwischen Genuss und Pharmakologie verwischt.
Wichtig ist, dass die Zusammensetzung des Kaffeeöls je nach Herkunft und Verarbeitungsmethode gleich bleibt, unabhängig davon, ob es aus Arabica oder Canephora, aus gerösteten Bohnen oder aus Kaffeesatz gewonnen wird. Diese Konstanz vereinfacht sowohl die analytische Validierung als auch die regulatorische Standardisierung. Und da der neue EU-Rahmen für die Lebensmittelzulassung Daten zur Sicherheit und Exposition verlangt, trägt unsere Studie dazu bei, eine seit langem bestehende Datenlücke zu schließen.
Für Kaffeeproduzenten, Innovatoren und Regulierungsbehörden gleichermaßen ist dies ein Aufruf zum Handeln. Kaffeeöl ist nicht nur ein Nebenprodukt, sondern ein bioaktiver Inhaltsstoff mit funktionellem und wirtschaftlichem Wert. Um sein Potenzial auszuschöpfen, muss man jedoch den Nutzen mit der biologischen Plausibilität abwägen - und zwar auf wissenschaftlicher Grundlage, nicht auf der Grundlage von Vermutungen.
Doch das Bild ist nicht nur warnend. Diterpene wie Cafestol haben in präklinischen Studien entzündungshemmende, hepatoprotektive und antikarzinogene Wirkungen gezeigt. Sie wirken als Enzymmodulatoren, schützen die DNA vor Mutagenen und unterstützen sogar die Entgiftungsprozesse des Körpers. Diese Dualität macht sie zum Sinnbild für den Kaffee selbst - eine Substanz, die die Grenze zwischen Genuss und Pharmakologie verwischt.
Wichtig ist, dass die Zusammensetzung des Kaffeeöls je nach Herkunft und Verarbeitungsmethode gleich bleibt, unabhängig davon, ob es aus Arabica oder Canephora, aus gerösteten Bohnen oder aus Kaffeesatz gewonnen wird. Diese Konstanz vereinfacht sowohl die analytische Validierung als auch die regulatorische Standardisierung. Und da der neue EU-Rahmen für die Lebensmittelzulassung Daten zur Sicherheit und Exposition verlangt, trägt unsere Studie dazu bei, eine seit langem bestehende Datenlücke zu schließen.
Für Kaffeeproduzenten, Innovatoren und Regulierungsbehörden gleichermaßen ist dies ein Aufruf zum Handeln. Kaffeeöl ist nicht nur ein Nebenprodukt, sondern ein bioaktiver Inhaltsstoff mit funktionellem und wirtschaftlichem Wert. Um sein Potenzial auszuschöpfen, muss man jedoch den Nutzen mit der biologischen Plausibilität abwägen - und zwar auf wissenschaftlicher Grundlage, nicht auf der Grundlage von Vermutungen.
Reference: Maier, B., Franke, H., Schwarz, S., & Lachenmeier, D. W. (2025).
Toxicological Risk Assessment of Coffee Oil (Coffee Seed Oil and Spent Coffee Grounds Oil) as a Novel Food with Focus on Cafestol. Molecules, 30(14), 2951.
https://doi.org/10.3390/molecules30142951
Autor:
Dr. Steffen Schwarz
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